ADAC Oldtimer Rallye Wiehengebirge „Rund um Vehrte“

29. ADAC Oldtimer Rallye Wiehengebirge 2012 „Rund um Vehrte“
09. September 2012

Für die Ausrichtung der „26. ADAC Oldtimer Rallye Wiehengebirge 2012 ´Rund um Vehrte`“ am 09. September 2012 zeichnete der Motor-Sport Vehrte e.V. im ADAC verantwortlich. Bei dieser Veranstaltung erzielte Erfolge werden für fünf Pokalserien gewertet (ADAC Classic Revival Pokal für Automobile und Motorräder; ADAC Oldtimer und Classic Cup Weser-Ems für Automobile und Motorräder; Classic Cup Nord 2012 für Motorräder.
Wie bei den meisten Veranstaltungen dieser Art liefert die Ausschreibung nur wenige Informationen über den Charakter der Veranstaltung. Unter Art. 3 „Beschreibung des Wettbewerbs“ wird u.a. die Streckenlänge mit ca. 100 km, aufgeteilt in zwei Etappen, angegeben. Ansonsten seien 2-3 Gleichmäßigkeitsprüfungen (GLP) über ca. 15 km zu absolvieren. (Bereits hier stellt sich die Frage, warum der Veranstalter zum Zeitpunkt der Ausschreibung insoweit noch keine klare Vorstellung über sein Konzept hat, dass er die Zahl der GLP´s  nicht genau beziffern kann.).
Automobile und Motorräder werden in zwei Gruppen ausgeschrieben (Klassen 1-5 und 6-12). Zur Streckenführung wird ausgeführt: „Zuverlässigkeits- und Orientierungsrallye mit Gleichmäßigkeitsprüfungen im öffentlichen Straßenverkehr nach dem Roadbook bzw. Karte(n) des Veranstalters. Einzelne Punkte der Strecke können kilometriert sein. Die Kilometrierung des Veranstalters ist verbindlich.“ Unter Abschnitt „V. Ablauf der Veranstaltung“ sind u.a. die Kontrollen aufgeführt: Orientierungskontrollen (OK) als stumme Kontrollen (sog. „Baumaffen“); Sonder- bzw. Durchfahrtskontrollen (SK/DK), Zeitkontrollen (ZK), geheime Schnittüberwachungskontrolle (SÜK) sowie GLP´s mit Startzeitkontrolle. Hilfreich für Anfänger ist der farbige Abdruck der FIA-Rallye-Kontrollschilder, der Streckenbeschilderung für Motorräder und des Musters eines OK-Schildes.
Die Durchführungsbestimmungen umfassen zwar sieben Seiten, inhaltlich relevant sind allerdings nur maximal zwei Seiten mit folgenden Aussagen:
– Das Bordbuch wird 30 Minuten vor der individuellen Startzeit ausgehändigt. Dies ist ein hinreichender Zeitraum, um sich mit einem großen Teil der Aufgaben vertraut zu machen.
– Die vorgeschriebene Strecke für Autos und Motorräder ist nicht identisch (Durchführungsbestimmungen, I., Aufgabenstellung „Allgemein“). Hier liegt ein Widerspruch zur Ausschreibung, in der es heißt, die Motorradstrecke kann von der für die Automobile abweichen.
– Weiter wird unter II. Aufgabenstellung Gruppen B) und A) festgestellt: Motorräder folgen ausschließlich der Streckenausschilderung. … Teilnehmer der Gruppe A) folgen ebenfalls der Streckenausschilderung mit Ausnahme der Aufgaben … . Diese seien nach Karte zu absolvieren.
Hier kann dem Veranstalter nur dringend eine sprachlich und inhaltlich klare Aufgabenformulierung empfohlen werden!
– Die für Autofahrer gesondert in Kartenausschnitten dargestellten Aufgaben (3, 5, 7 und 11) sind jeweils von A nach E (Aufgabenanfang und –ende) auf der kürzesten Strecke zu fahren.
– Die Kartenausschnitte (auch die, in denen die Strecke durchgängig eingezeichnet ist) sind sämtlich ohne Maßstab; dies gilt auch für Vergrößerungen.
-Bei den Karten handelt es sich um qualitativ sehr schlechte Reproduktionen, zudem mit deutlichen Unschärfen im Kartenbild; dies erschwert an vielen Stellen die genaue Lesbarkeit der Aufgabeneintragungen.
– Dort, wo die Streckenführung mittels Chinesenzeichen beschrieben ist, ist der jeweilige Seitenaufbau des Bordbuchs klar strukturiert; neben dem Chinesenzeichen helfen zusätzliche Angaben in einer Informations-Spalte.

Der Start beginnt mit einer GLP (Länge 6,84 km; Durchschnittsgeschwindigkeit 27 km/h; Fahrzeit 912 Sek. = 15:12 Min.). Die Startzeitkontrolle erfolgt mittels rücklaufender Uhr, am Ziel ist eine Lichtschranke fliegend zu durchfahren. Auf die schlechten Reproduktionen der Kartenausschnitte, in denen die Orientierungsaufgaben für Autofahrer dargestellt waren, wurde bereits hingewiesen. Für eine SÜK mit Lichtschranke war zwar eine Kilometrierung angegeben (nach Ausschreibungstext für den Teilnehmer verbindlich!); sie ist allerdings wenig hilfreich geschweige denn zielführend, wenn diese unabhängig voneinander mit der Kilometrierung mehrerer Teilnehmer nicht übereinstimmt! Die von den Teilnehmern (über die Angabe des zu fahrenden Schnittes) selbst auszurechnende Zielzeit ist zwar akzeptabel, hilft allerdings wenig, um die Lichtschranke genau zu passieren, wenn diese schräg unter einer Brücke positioniert ist; hinzu kam, dass der Veranstalter „seine“ Zielzeit offenkundig mit kaufmännischer Rundung ermittelt hat, so dass hier gleich zwei Fehlerquellen die individuellen Ergebnisse beeinträchtigten.
Die gleiche Aufgabenstellung (GLP und SÜK) wiederholte sich am Nachmittag, lediglich der Schnitt war mit 28,5 km/h leicht angehoben. Auch hier wieder klar erkennbare Fehlerquellen aufgrund einer unzureichenden Platzierung der SÜK. Weitere vier SÜK´s über die Strecke verteilt waren den Tag über nicht besetzt; in Verbindung mit einer fehlerhaften Kilometrierung gestaltete sich das Auffinden der (nicht vorhandenen) SÜK zum Suchspiel im Gelände. Ansonsten diente die zweite Etappe im Wesentlichen dazu, Kilometer zu fahren.
Bei Zielankunft informierte ein Bulletin des Veranstalters darüber, dass eine Orientierungsaufgabe für Automobile neutralisiert wurde. Begründung: zum Auffinden der Idealstrecke waren zwei Lösungswege möglich. Dass etwa  80 % der Teilnehmer die Lösung des Veranstalters und insoweit korrekt gefahren waren, zählte offenkundig nicht. Drei Stunden später wurde dann die nicht gewollte Lösung – offenkundig aufgrund des Einspruchs von zwei Teilnehmern – als maßgeblich für die Endwertung mit der Folge erkannt, dass alle richtig gefahrenen Teilnehmer mit 10 Strafpunkten bedacht wurden.
Auf den zunächst ausgehängten Ergebnislisten der GLP´s fehlten einige Teilnehmer. Nach einem entsprechenden Hinweis gegenüber dem Veranstalter wurden die Listen entfernt und nicht wieder aufgehängt.
Nach offiziellem Ergebnisaushang wurde nachgebessert. So waren einige Teilnehmer – obwohl fehlerfrei gefahren – mit Strafpunkten bedacht worden. Zusammen mit weiteren Teilnehmern war uns zudem aufgefallen, dass bei den GLP´s Abweichungen von der Sollzeit unterschiedlich mit Strafpunkten ausgewiesen waren. Ein entsprechender Hinweis an den Fahrtleiter wurde mit der Bemerkung beschieden, dies zu prüfen und korrigieren zu wollen. Während dies geschah, begann die Siegerehrung, ein Vorgehen, wie wir es in unserer Praxis noch nie erlebt haben! Da die Ergebnisse nicht korrekt waren, haben wir uns geweigert, den zuerkannten Pokal entgegen zu nehmen. Seitens des Veranstalters wurde uns vermittelt, wir hätten das Ergebnis so  zu akzeptieren. Der Fahrtleiter erklärte, es habe ja die Möglichkeit des Einspruchs gegeben (Anmerkung: nach Art. 20 der Ausschreibung sind  Einsprüche in schriftlicher Form mit einer Einspruchsgebühr in Höhe von 100,- € beim Rallyeleiter bis 30 Minuten nach Aushang der Ergebnisse einzureichen.). Dass es sich um die Korrektur eines offensichtlichen Rechenfehlers handelte, den man nach unserer Auffassung auch ohne formellen Einspruch hätte beheben können, war für den Fahrtleiter anscheinend ohne Belang.

Fazit: Unter Berücksichtigung der hier im Einzelnen dargelegten Schwächen und sowohl formalen als auch inhaltlichen und insbesondere am Ende der Veranstaltung im Zusammenhang mit der Behandlung der Ergebnisse ablauforganisatorischen Mängel wird eine Teilnahme, sofern diese Mängel nicht grundlegend behoben werden, im Automobilbereich nicht empfohlen.

Und hier die Ergebnisse


Klasse 1: Bei der Kellen / Großmann

Klasse 2: Kirschbaum / Kirschbaum

Klasse 3: Böttcher / Rudweleit

Klasse 4 und gleichzeitig Gesamtsieger:

Albers / Kolbe

– Hans-Jürgen Kirschbaum 

Ein kleiner Nachtrag: Mit Schreiben vom 17.09.12 wurden zwei Motorradfahrer und ein Automobilfahrer vom MS Vehrte mit einem Startverbot für weitere Veranstaltungen belegt. Sobald uns weitere Informationen dazu vorliegen werden wir berichten.

 

 

 

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