Oldtimerrallye Verden

XVIII. Int. ADAC Oldtimer- und Classic Rallye der Reiterstadt Verden/Aller – 11. August 2012

Teilnahme an der folgenden Veranstaltung in der Wertungskategorie „Touristisch“.

Beginnen wir – abweichend von der bisher gewohnten Berichterstattung – einmal am Ende dieser Veranstaltung. Für ca, 19.00 Uhr war nach dem in der Ausschreibung veröffentlichten Zeitplan die Siegerehrung (nach Ablauf der Einspruchsfrist von 30 Minuten nach Aushang der Ergebnisse) geplant. Für die Kategorie „Touristik“ findet sie gegen 22.30 Uhr statt, rund 6 (!) Stunden nach Eintreffen am Zielort. Bei einer Heimreise über 300 Kilometer (mit Gespann) ist bei einer solchen Ablauforganisation die Grenze der Zumutbarkeit deutlich überschritten! …

Die Ausschreibung sieht drei Wertungskategrorien vor, das Baualter geht bis einschließlich 1992! Die im Titel der Veranstaltung enthaltene „Classic“ bleibt allerdings auf der Strecke: die Klassen A 1 und A 2 (bis Baujahre 1904 bzw. 1918) sind in der Kategorie „Touristik“ unbesetzt, in der Klasse A 3 findet sich ein Ford A aus 1928 am Start. In der Kategorie „Sport“ sind sogar die ersten drei Klassen unbesetzt (Baujahre bis 1904, 1918 bzw. 1930. Lediglich die Klasse B 4 (1931 – 1945) ist mit einem Fahrzeug besetzt. In der Gruppe C (Einfache Ausfahrt) gehen zwei Vorkriegsfahrzeuge (1920 und 1933) an den Start.

Auffällig das Ungleichgewicht zwischen den Kategorien: 26 Startern in der sportlichen Ausfahrt stehen 97 in der Touristik gegenüber; hier ist die Klasse A 7 (1971 – 1982) mit allein 46 Teilnehmern so stark besetzt, dass sie aus organisatorischen Gründen untergliedert werden muß. Ausserdem ist die Klasse A 6 (1961 – 1970) mit 34 Teilnehmern sehr stark vertreten.

Hinsichtlich der Aufgabenstellungen und Anforderungen an den Teilnehmer finden sich in der Ausschreibung – wie inzwischen leider allgemein üblich – nur wenige aussagefähige Hinweise:

„Touristische Ausfahrt. Ohne Schwierigkeiten auf  der Strecke. Fahrt nach farbigem Bordbuch und farblich in Kartenausschnitten eingezeichneter Strecke mit leichten Orientierungsaufgaben sowie bis zu vier Start-Ziel-Prüfungen mit fest vorgegebenen Fahrtzeiten zur Überwachung der vorgeschriebenen Durchschnittsgeschwindigkeit (20 – 35 km/h).

Von insgesamt 27 Bordbuchseiten finden sich auf etwa sechs Seiten Kartenausschnitte in Verbindung mit unterschiedlichen Fahrtaufträgen. Im Übrigen ist die geforderte Idealstrecke nach Chinesenzeichen zu fahren! Dazu fehlt in der Ausschreibung jeder Hinweis (In der Kategorie „Sport“ ist die Aufgabenstellung vergleichbar beschrieben; immerhin finden sich hier Hinweise auf „Chinesenzeichen“  und der Terminus „Gleichmäßigkeitsprüfung“). Der Gesamtumfang der Veranstaltung ist mit 150 Kilometern, aufgeteilt in zwei Etappen angegeben.

Der Zeitplan vor dem Start ist angesichts der zum Teil sehr stockenden „Abfertigung“  bei der Dokumentenabnahme zwar knapp, aber noch vertretbar. Die äußeren (organisatorischen) Rahmenbedingungen sind gut. Die Durchführungsbestimmungen sind erfrischend kurz und enthalten alle wichtigen Punkte. Wenig einsichtig ist, warum an dieser Stelle zum „Gebrauch des Bordbuches  … auf dessen Seite 1“ verwiesen wird und dort  als „Durchführungsbestimmungen Teil 2“ erscheint, abgesehen davon, dass sich hier dann einige Wiederholungen finden. Die Aushändigung des Bordbuches erfolgt 10 Minuten vor den individuellen Startzeit, keine üppige Zeit für die Vorbereitung, aber noch vertretbar.

Das farbige Bordbuch ist klar gegliedert und – soweit es die Chinesenzeichen betrifft –  zweifelsfrei aufgebaut, für touristisch auch noch nicht so erfahrene Teilnehmer leicht zu handhaben. Neben den Richtungsangaben erleichtern zusätzliche Fahranweisungen das Auffinden der Idealstrecke.

Die ebenfalls farbigen Kartenausschnitte (Maßstab zwischen ca. 1:50.000 und 1:25.000, an jedem Ausschnitt eine individuelle Maßstabsleiste, nicht Jedermanns Sache, damit auf Anhieb umzugehen) sind  sauber reproduziert, die Eintragungen in „rot“ (Striche, Punkte) gut und zweifelsfrei lesbar; zu jedem Kartenausschnitt gehören aufgabenbezogene Beschreibungen.

Die stummen Kontrollen („sog. „Baumaffen“) sind an der Strecke gut sichtbar positioniert. Die Funktion solcher Kontrollen sind dem erfahrenen Oldtimer-Rallye-Teilnehmer hinreichend bekannt. Umso weniger nachvollziehbar ist zum Beispiel die Platzierung einer Kontrolle im Sichtbereich des gelben Kontrollschildes einer Gleichmäßigkeitsprüfung, zumal dann, wenn es auch noch durch am Straßenrand stehende Teilnehmerfahrzeuge verdeckt wird, die hier ihre Zeit abwarten. Dass sich daraus ein Diskussions- und Konfliktpunkt im Rahmen der Auswertung ergeben würde, war vorauszusehen – die Kontrolle wurde schließlich vom Veranstalter neutralisiert. Ebenso wenig nachvollziehbar war die Sinnhaftigkeit der Platzierung von nicht angeschlossenen Lichtschranken („Dummies“) kurz vor dem Ende einer Zeitprüfung –  Verwirrung an Stelle von Klarheit tragen nicht zur Akzeptanz einer solchen Aufgabenstellung bei; die zu einem erheblichen Teil gravierenden Abweichungen von der Sollzeit sprechen für sich.

Dies gilt auch für eine weitere Wertungsprüfung (WP 2), die im Sinne eines sog. Eisenbahnfahrplans zu absolvieren war: Vom Start über Punkt „A“ (950 m in 137 Sekunden) zu Punkt „B“ (1200 m in 167 Sekunden) zum Ziel (1900 m in 240 Sekunden), wobei nach dem Text der Fahranweisung „an den Punkten A + B und dem Ziel der WP 2 … sich Lichtschranken zur Überwachung der gefahrenen Zeit befinden … können. Tatsächlich war nur einer der beiden Zwischenpunkte (in der Örtlichkeit durch ein Schild markiert!) mit einer Lichtschrankenmessung ebenso ausgestattet wie das Ziel. Im Rahmen der zweiten (Nachmittags-)Etappe wird die Prüfung übrigens völlig identisch und lediglich mit veränderten, d.h. verkürzten Zeiten wiederholt!

In der Ergebnisliste ist die „Werthaltigkeit“ des Befundes, dass bis zum 11. Gesamtplatz alle Teilnehmer in beiden Bordkarten fehlerfrei geblieben sind,  insoweit wenig aussagefähig, als im Zuge mehrerer Auswertungskorrekturen Aufgaben oder Teile von Aufgaben neutralisiert wurden. Ursächlich dafür war zum Einen die Tatsache, dass trotz Eindeutigkeit des Fahrtauftrages neben der korrekten Lösung eine Vielzahl von Teilnehmern die Aufgabenstellung im Ergebnis gleichwohl falsch lösten und der Veranstalter offenkundig weitere strittige Diskussionen zu vermeiden suchte. Zum Anderen schien offensichtlich ein nicht unerheblicher Teil von Teilnehmern mit einzelnen Aufgaben schlichtweg überfordert  gewesen zu sein; dies bestätigen zumindest zahlreiche Meinungsbekundungen in der Mittagspause und nach Abschluß der Veranstaltung.

Dass es im regionalen (insbesondere Nord-Süd-)Vergleich sehr gravierende Unterschiede in der Qualität der Aufgabenstellungen gibt, ist hinreichend bekannt. Dass im Rahmen ein und desselben Wettbewerbs hier schon seit langem eine Harmonisierung geboten und vielfach gefordert ist, hat bislang leider noch nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Die im Rahmen dieser Veranstaltung vorgegebenen Orientierungsaufgaben in der Wertungskategorie „Touristik“ reichten zumindest in Teilen an jenes Niveau heran, das in anderen Wertungsläufen im tourensportlichen Bereich gefordert wird.
So führte zum Beispiel eine Orientierungsaufgabe (bei Klein Linteln) bereits in der Mittagspause unter Teilnehmern zu intensiven Diskussionen, da sie sich als interpretationsfähig bzw. -bedürftig erwies. Entsprechend unterschiedlich wurde die Aufgabe von den Teilnehmern bewältigt – was letztlich nicht folgenlos bleiben konnte.

Der Abstecher zum Domvorplatz in Verden rund 18 Kilometer vor dem Ziel trägt zweifellos – auch im Sinne der Teilnehmer – zur Publizität einer solchen Veranstaltung bei, allerdings nur dann, wenn er organisatorisch gut vorbereitet und durchgeführt wird. Und daran hat es nachhaltig gemangelt, zumal nicht nachvollziehbar war, warum das Vorstellen der Fahrzeuge in der Örtlichkeit noch mit einer Zeitkontrolle verbunden werden mußte, mit deren Handhabung (Eintrag in die Bordkarte!) nicht zuletzt aufgrund der unvermeidbaren „Staubildung“ und dem dadurch verursachten Effekt, dass viele Teilnehmer ihre Sollzeit nicht einhalten konnten, der verantwortliche Posten offenkundig überfordert war.

Fazit: Bedauerlich, dass eine in Anlage und Konzeption  im Grundsatz als gut zu bezeichnende Veranstaltung durch eine Reihe von durchaus vermeidbaren Fehlern und Pannen sehr spürbar beeinträchtigt wurde. Dem Vernehmen nach hat es auch datentechnische Ursachen gegeben, die neben wiederholten Einsprüchen gegen die Wertung zu einer unvertretbar langen Wartezeit bis zur (touristischen) Siegerehrung geführt haben. Ungeachtet dessen ist für den außenstehenden (Teilnehmer) nicht mehr nachvollziehbar, an welchen Stellen und warum im Einzelnen Aufgabenteile aus der Wertung genommen wurden. Der vielfach artikulierte Unmut von Teilnehmern – entweder wegen des Gefühls der Benachteiligung oder der Übervorteilung – ist  verständlich und nachvollziehbar. Demgegenüber lassen die Häufigkeit und Verteilung von Strafpunkten (außerhalb der Zeitprüfungen) deutlich erkennen, dass sich offensichtlich (zu viele) Teilnehmer mit dem Auffinden der Idealstrecke schwer getan haben.

Erst wenn die beschriebenen Mängel grundlegend aufgearbeitet und beseitigt sind, kann die Teilnahme an dieser Veranstaltung ohne Einschränkungen empfohlen werden.

Und hier die Ergebnisse. 

Wertungsgruppe A: Touristische Ausfahrt (92 Teilnehmer in Wertung) – Gesamt (Klasse)

1. (1.)  Steffens, Klaus und Karin, Hameln, Jensen Interceptor Conv. 1974
2. (1.)  Petersdorff, Peter,Verden/Beetz, Werner G., /Kiel, Triumpf TR 5 Pl 1968
3. (1.)  Ickler, Franz/Steineke, Christel, Burgdorf, Austin Healey BN 7 1959

Wertungsgruppe B: Sportliche Ausfahrt (19 Teilnehmer in Wertung) – Gesamt (Klasse)

1. (1.)  Bögershausen, Georg, Göttingen/Dr. Fletling, Rainer, Vellmar, NSU TT 1966
2. (2.)  Hattenhorst, Hartmut, Bad Salzuflen/Kopp, Andreas, Detmold, Austin Healey 3000
MK III 1967
3. (1.)  Reuter, Hans-Dieter, Lemgo/Sohn, Hartmut, Lage, Fiat 128 Rallye 1972

Alle Ergebnisse finden sich auf der Internetseite des AV Verden e.V. unter http://www.acverden.com

– Dr. Rolf Tiggemann

Magnus Korff hat der Redaktion „Classic Automobilsport“ den folgendenKurzbericht zur „XVIII. Oldtimer- und Classic-Rallye des AV Verden vom 11. August 2012 zur Verfügung gestellt.

„Der sportliche Teil dieser Veranstaltung ist zum wiederholten Mal unter der Verantwortung von Wolfgang Schönwalder, im Team mit seiner Frau Marita einem sehr erfahrenen Fahrer, entstanden. 26 startende Teilnehmerfahrzeuge in dieser Wertungskategorie sind ein gutes Zeichen. Die Navigationsaufgaben sind sehr anspruchsvoll. Schwarz-weiss-Kartenreproduktionen in Maßstäben zwischen 1:25.000 und 1:100.000 mit „rot“ eingedruckten Aufgaben/Skizzen, die problemlos lesbar sind. Gut versteckte und schwere Aufgaben können schnell übersehen werden, aber dem nicht so erfahrenen Beifahrer somit auch keine Probleme bereiten, da sie unentdeckt bleiben.

Mit 30 Minuten strafpunktfreier Karenz und 60 Minuten Gesamtkarenz über alle Zeitkontrollen steht ausreichend Zeit zur Verfügung, ohne dass der totale Stress ausbricht.

Hingegen sorgen kleine Unklarheiten oder ´Unerwähntheiten´ in den Durchführungsbestimmungen für zwei vermeidbare Fehler in unserer Bordkarte – das muß man dann sportlich sehen, wenn man in Verden zum ersten Mal unterwegs ist.
Nicht so schön war die falsche Beschilderung der ersten Gleichmäßigkeitsprüfung mit wohl sehr wenig erfahrenen Helfern. Und: wenig schön war der sehr späte Aushang der Ergebnisse, wobei aus den Listen erkennbar war, dass es wohl erhebliche Computerprobleme gegeben hat.

Unser Fazit: Eine runde und sehr empfehlenswerte Veranstaltung, die wir jeder Zeit wieder fahren würden.“ 

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3 Gedanken zu “Oldtimerrallye Verden”

  1. Ulrich Ilemann sagte:

    Ich kann den Worten von Dr. Tiggemann nur zustimmen, der „linke Trick“ mit der Dummy-Lichtschranke bei der ersten Sollzeitprüfung gehört nicht in eine touristische Oldtimer-Rallye.

    Die Neutralisierung von Wertungsaufgaben in hoher Zahl spricht für sich, wir hatten bei dem ersten Aushang der Ideal-Bordkarte für nachmittags sieben (!!) Fehler, beim letztendlich gültigen Ergebnisaushang jedoch nur noch einen Fehler. Welcher das war, entzieht sich unserer Kenntnis. Das spricht nicht für eine saubere Erstellung der Orientierungsaufgaben.

    Dass die Siegerehrung erst so spät durchgeführt werden konnte, liegt für mich vor allem an den Fehlern in den Orientierungsaufgaben, die scheinbar zu vielen Diskussionen führten, die dann für die Neutralisation von div. Kontrollen führte.

    Auch wir hätten gerne direkt nach der Zieldurchfahrt mit dem Fahrtleiter einige Dinge besprochen, er war allerdings nicht erreichbar. Das und die besagten 7 Fehler haben uns dazu bewogen, die Veranstaltung zu verlassen, um die 200 km lange Heimreise anzutreten.

    Wir ziehen die Konsequenzen, und werden hier nicht mehr starten.

    Ulrich Ilemann

  2. Ich kann hier in allen Punkten zustimmen. Nie wieder Verden.

    H.-J.Kirschbaum

  3. Als Verdener sage ich auch nie wieder Verden.
    O. Kühl

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