Saarländische ADAC Oldtimertage „Rund um den Linslerhof“

Saarländische ADAC Oldtimertage „Rund um den Linslerhof“
13. – 14. Oktober 2012

Zum dritten Mal richtet der ADAC Saarland e.V. am 13./14. Oktober 2012 die Oldtimertage „Rund um den Linslerhof“ aus. Der Charakter dieses Veranstaltung ist in dem im Vorfeld den Teilnehmern vorliegenden 12-seitigen Informationspapier beschrieben. „Ein abwechslungsreiches Programm … sorgt für die Unterhaltung der Teilnehmer und Zuschauer. Im vergangenen Jahr kamen rund 7000 Interessierte nach Überherrn, was die Veranstaltung zum größten und bedeutsamsten Oldtimerspektakel der Region macht.“ Und weiter heißt es: ein ganztägiges Unterhaltungsprogramm lasse keine Wünsche offen.  Der Rahmen umfasst musikalische Darbietungen und Vorführungen ebenso wie ein Oldtimertreffen, Saisonabschlussfeiern lokaler Oldtimerclubs, einen Concours d´Elégance, Demonstrationsfahrten historischer Rennfahrzeuge. Und dann nicht zu vergessen: in dieses Programm eingebunden ist ein Wertungslauf zu drei Serien des Oldtimer-Automobilsports: dem ADAC Saarland Classic Cup, dem (bundesweit ausgelobten) ADAC Classic Revival Pokal für Automobile und der ebenfalls bundesweit ausgeschriebenen ADAC FIVA Historic Trophy (letztere ist die touristische Variante dieser Serie). Das Ganze ist dann als sog. „FIVA B Event“  ausgewiesen. Empfehlung an den Veranstalter: Wenn man sich schon  mit einem solchen Prädikat schmücken darf, ist zu empfehlen, insbesondere für die zahlreichen Zuschauer an irgendeiner Stelle auch einmal zu erläutern, was sich dahinter verbirgt, denn wer kann schon etwas mit dem Kürzel „FIVA“ oder „B-Event“ anfangen?

Im angesprochenen Informationspapier ist unter anderem neben einer Teilnehmerliste, einem Lageplan des Veranstaltungsortes Linslerhof, zwei Übersichtsplänen mit dem Streckenverlauf auch ein Zeitplan enthalten, der weitere Rückschlüsse auf den Charakter der Veranstaltung zulässt. Hier ist zu bestimmten Zeiten immer wieder von „Wanderpausen“ an bestimmten Standorten die Rede, die in vielen Fällen mit zu absolvierenden Aufgaben verbunden sind.

Dass der Linslerhof und seine unmittelbare Umgebung einen attraktiven Standort für eine solche Veranstaltung abgibt, ist unstrittig. Und um möglichen Mißverständnissen bereits an dieser Stelle vorzubeugen: auch solche Veranstaltungen haben ihre Existenzberechtigung im breiten Spektrum des Oldtimer-Automobilsports. Inwieweit sie auch als Akquisitionsmedium zur Rekrutierung des Oldtimer-Nachwuchs taugen, ist leider empirisch nicht belegt. Hier ist zu würdigen, ob und inwieweit die diesjährige Veranstaltung den Ansprüchen an die Serie „ADAC Classic Revival Pokal“ gerecht wird.

Das Bordbuch wird den Teilnehmern am Samstag bereits bei der Dokumentenabnahme ausgehändigt. Damit verbleibt bis zum Start einige Stunden später sehr viel Zeit, sich mit dem Inhalt vertraut zu machen; der erfahrene Oldtimer-Rallye-Teilnehmer benötigt dafür aber nicht mehr als 15 Minuten. Es ist ausgesprochen aufwändig mehrfarbig und auf höherwertigem Papier gedruckt, in Spirale gebunden, unterscheidet sich inhaltlich allerdings sehr grundlegend von allem, was wir als Teilnehmer an mehreren Oldtimer-Serien in diesem und zurückliegenden Jahren an Bordbüchern kennengelernt haben.
Vorangestellt ist eine Seite mit Durchführungsbestimmungen. Hier heißt es zum Veranstaltungscharakter  gleich zu Beginn: „Diese Veranstaltung ist eine motortouristische Ausfahrt von Oldtimern, …“.
Als Aufgaben werden Gleichmäßigkeitsprüfungen (GLP), Wanderpausen (WP), Durchfahrtskontrollen (DK) und stumme Wächter, stumme Kontrollen (SK) aufgeführt. An den WP-Standorten werden Geschicklichkeitsübungen mit und ohne Auto angekündigt. Des weiteren enthalten die Durchführungsbestimmungen lediglich noch die Wertungskriterien. Hier fällt auf, dass das Auslassen einer DK/WP mit 50, das Auslassen einer GLP mit (maximal) 50 und das Auslassen einer sog. Messübung bei einer WP ebenfalls mit 50 Strafpunkten geahndet wird – vergleichsweise außergewöhnlich hohe Sanktionen, wobei nicht klar ist, unter welchen Bedingungen das Auslassen einer GLP auch mit weniger als 50 Punkten bewertet wird.

Der Streckenverlauf ist mit den vom Motorrad-Oldtimersport bekannten roten Symbolen ( Quadrat: links abbiegen/ Dreiecke mit Spitze nach oben: geradeaus fahren/Kreis: rechts abbiegen) in der Örtlichkeit markiert! Dies bedeutet im Klartext: es wurde kein selbständiges Erarbeiten der Idealstrecke und damit keine Orientierungsaufgaben gefordert!

Die sehr gute Qualität der beiden Übersichtskarten, in denen die Tagesstrecken dargestellt sind und der Einzelkarten mit Darstellung von Teilstrecken bzw. Ortsdurchfahrten kann nicht über die recht eigenwillig gewählten und weder bei amtlichen noch sonstigen Anwendungen üblichen Maßstäben  hinwegtäuschen. Sie schwanken von vergrößerten  topographischen Karten (zwischen 1: 7.051 über 1: 14.996 bis 1: 18.898) im Weiteren über eine Bandbreite zwischen 1:154.137 und 1: 75.255 (Übersichtskarten) bzw. Maßstäben zwischen 1: 93.896 über 1: 76.038 bis zu 1: 42257. Abgesehen davon, dass sich das Auffinden der Maßstabsangabe auf den Kartenausschnitten oft zum Suchspiel entwickelt – dieses Maßstabchaos ist nun in keiner Weise dem Teilnehmer nützlich, um kurz und gezielt Entfernungen schnell zu erfassen. Dieses nicht nachvollziehbare Maßstabsdurcheinander sollte vom Veranstalter umgehend aufgelöst werden!
Gleich nach dem Start und noch auf dem Gelände des Linslerhofs die erste GLP, ein enger, kurviger Rundkurs mit einem geforderten Schnitt von 33 Km/h. Auf der Strecke dann zur „Kontrolle“ der (im Grunde von nicht allzu unerfahrenen Teilnehmern fehlerfrei zu fahrenden)  Fahrtstrecke eine Vielzahl von stummen Kontrollen (sog. „Baumaffen“). Ihre Positionierung war teilweise überhaupt nicht mehr nachvollziehbar, waren sie zum Beispiel unterhalb der straßenbegeleitenden Leitplanken an den sie tragenden Pfosten befestigt. Im Übrigen erschloss sich angesichts der durchgängig ausgeschilderten Strecke der Sinn dieser stummen Kontrollen ohnehin nicht. Eine weitere GLP (Schnitt 30 Km/h) war im Verlaufe des Tages noch zu absolvieren. Mit reichlich Pausen und über Teilstrecken durch Frankreich führte die Route wieder zurück ins Saarland. Dem Gesamtcharakter der Veranstaltung entsprechend waren eine Reihe von sog. „Geschicklichkeitsaufgaben“ zu absolvieren. Trotz vergrößerter Kartenausschnitte bei Ortsdurchfahrten wäre in Teilbereichen hier eine etwas dichtere Abfolge der Richtungsausschilderung geboten gewesen. Auf dem Linslerhof wiederholte sich die GLP mit verkürzter Strecke und einem geforderten Schnitt von jetzt 33 Km/h.

Dem „Event-Charakter“ der Veranstalter entsprechend gestaltete sich der Abend des ersten Tages in angenehmer Atmosphäre. Die Zwischenergebnisse des Tages wurden zeitnah veröffentlicht.

Start am Sonntag zur zweiten Etappe um 09.30 Uhr. Dem schönen und trockenen Wetter des ersten Tages folgte jetzt der Regen, der bis zum Ende der Veranstaltung auch nicht mehr nachließ. Auf dem Linslerhof war noch einmal eine GLP mit einem Schnitt von 33 Km/h zu fahren, jetzt angesichts der kurvigen Trassenführung und des Regens unter erschwerten Bedingungen. Dass hier hinsichtlich der geforderten Schnitt-Vorgabe seitens des Veranstalters zeitnah eine Korrektur der Anforderung geboten gewesen wäre, aber leider nicht umgesetzt wurde, spiegelten unter anderem die Ergebnisse der Vorkriegsklasse wider. Dies ist umso unverständlicher, als Gespräche mit Vertretern des Veranstalters schon vor der Siegerehrung zeigten, dass die kritische Situation und das kaum zu erfüllende Anforderungsprofil bei dieser Prüfung durchaus bewußt war.
Im Vergleich zum ersten Tag war die Streckenbeschilderung am Sonntag deutlich besser; auch die Positionierung der stummen Kontrollen war klarer und eindeutiger als am Vortag.

Die Siegerehrung konnte bereits vor der im Programm geplanten Zeit durchgeführt werden.

Fazit: Gegenüber den beiden ersten Veranstaltungen waren deutliche Verbesserungen zu registrieren, nach wie vorstrukturelle Mängel allerdings nicht zu übersehen. Bei einer sehr stark auf  den motor-touristischen Erlebnischarakter ausgerichteten Veranstaltung kann durchaus die Gleichmäßigkeitsprüfung als sportliches Element der Anreicherung dienen, dann allerdings mit deutlich reduzierten Schnitten insbesondere für die schwächer motorisierten (Vorkriegs-)Fahrzeuge. Klar verbessert werden muss die unglückliche Platzierung der Baumaffen (am ersten Tag).  Bei einer zweitägigen Veranstaltung darf die Veröffentlichung eines Teilergebnisses auch für den zweiten Veranstaltungstag erwartet werden. Der gesamte organisatorische Rahmen war vollauf zufriedenstellend.
Schließlich zeigt sich auch bei dieser Veranstaltung die dringende Notwendigkeit der Überarbeitung  des Classic Revival Pokal Konzeptes. Solange es jedem Veranstalter anheimgestellt ist, seine Aufgaben nach völlig eigener Maßgabe festzulegen, muß es zu nicht vertretbaren Ungleichgewichten unter den 30 Veranstaltungen und damit auch zur absolut fehlenden Vergleichbarkeit von Teilnehmerleistungen kommen.

Daher sind die Saarländischen Oldtimertage unter Berücksichtigung der noch durchzuführenden Verbesserungen zwar eine zu empfehlende Veranstaltung, die allerdings – zusammen mit weiteren –  in dieser Serie völlig falsch platziert ist.

Und hier die Sieger (Gesamt):

1. Dollwet, Harald und Dennis, Renault Alpine A 110, Bj. 1971.
2.
Andres, Michael und Elke, MG B, Bj. 1973.
3.
Steffens, Klaus und Karin, BMW 323 i, Bj. 1980.

-Hans-Jürgen Kirschbaum

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